Das Trinklied vom Jammer der Erde — Gustav Mahler.
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Musik & AlbenEDA ZARI · JOURNAL

Das Trinklied vom Jammer der Erde — Gustav Mahler.

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Eda Zaris albanische Übertragung des Eröffnungsliedes aus Gustav Mahlers Das Lied von der Erde, ergänzt durch Notizen zu Li Bai, Hans Bethge, Vergänglichkeit, Zeit und der philosophischen Architektur von Mahlers Spätwerk.

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Gustav Mahler — Das Lied von der Erde Dichtung nach Li Tai-Po, in der deutschen Nachdichtung von Hans Bethge Albanische Übersetzung und Notizen: Eda Zari

Das Trinklied vom Jammer der Erde Schon winkt der Wein im goldnen Pokale, Doch trinkt noch nicht, erst sing' ich euch ein Lied! Das Lied vom Kummer Soll auflachend in die Seele euch klingen. Wenn der Kummer naht, Liegen wüst die Gärten der Seele, Welkt hin und stirbt die Freude, der Gesang. Dunkel ist das Leben, ist der Tod. Herr dieses Hauses! Dein Keller birgt die Fülle des goldenen Weins! Hier, diese Laute nenn' ich mein! Die Laute schlagen und die Gläser leeren, Das sind die Dinge, die zusammenpassen! Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit Ist mehr wert als alle Reiche dieser Erde. Dunkel is das Leben, ist der Tod. Das Firmament blaut ewig und die Erde Wird lange fest stehn und aufblühn im Lenz. Du aber, Mensch, wie lang lebst denn du? Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen An all dem morschen Tande dieser Erde! Seht dort hinab! Im Mondschein auf den Gräbern Hockt eine wild-gespenstische Gestalt. Ein Aff' ist's! Hört ihr, wie sein Heulen Hinausgellt in den süßen Duft des Lebens! Jetzt nehmt den Wein! Jetzt ist es Zeit, Genossen! Leert eure goldnen Becher zu Grund! Dunkel ist das Leben, ist der Tod!

Notizen von Eda Zari

Abschied, Isolation, Vergänglichkeit, Anfang und Ende, Vergangenheit und Zukunft — die Zeit mit ihren verschiedenen Gesichtern — und schließlich der Dialog mit Natur, Liebe, Leben und Tod: Dies waren die philosophischen Dimensionen, auf denen Gustav Mahler die Architektur seiner letzten Werke errichtete, allen voran Das Lied von der Erde.

Durch einen jener Zufälle, die wie kleine Wunder wirken, erhielt Mahler 1907 über seinen Freund, den Wiener Hofrat Theobald Pollack, ein Büchlein mit Texten, die genau solche Themen behandelten: Die chinesische Flöte, Hans Bethges Sammlung freier deutscher Nachdichtungen klassischer chinesischer Lyrik.

Im Einklang mit der Asienmode des Jugendstils — einer Epoche, die, in Oswald Spenglers Begrifflichkeit, den „Untergang des Abendlandes“ mit Ideen des Fernen Ostens auszubalancieren versuchte, besonders mit dem Gedanken der Einheit von Mensch und Natur — hatte Bethge Gedichte aus der Tang-Dynastie ausgewählt und ins Deutsche übertragen.

Bethge selbst wusste, dass dieses „China durch europäische Brillen“ keine philologisch exakte Literatur war. Gustav Mahler aber machte daraus etwas Außergewöhnliches.

Das Trinklied vom Jammer der Erde ist das erste Lied des Zyklus Das Lied von der Erde, und bereits im Titel spürt man den inneren Widerspruch.

„Dunkel ist das Leben, ist der Tod“ ist der unerbittliche Refrain — ausgerechnet in einem Trinklied, das seinem Wesen nach eigentlich heiter sein müsste.

Diese Ambivalenz, die Gleichzeitigkeit von Lebensbejahung und Lebensverneinung, zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Zyklus.

Im zweiten Lied erscheint die romantische Korrespondenz zwischen Mensch und Natur; die Sehnsucht nach Geborgenheit wird von Symbolen der Vergänglichkeit und des Verwelkens überlagert.

Im dritten Lied treten Motive des Spiegels hervor — Selbstbewusstsein, Selbst und Individuum.

Darum bündelt der Akkord, der das letzte Wort des Zyklus, „ewig“, begleitet, die wesentlichen Töne des ganzen Werkes. Seine harmonische Unvollständigkeit scheint zugleich die Endlosigkeit der Zeit anzudeuten.

1. Hans Bethge war ein erfolgreicher Herausgeber und Vermittler moderner deutscher und ausländischer Lyrik. Bekannt wurde er vor allem durch seine Ausgaben und Nachdichtungen klassischer orientalischer Poesie.

2. Die mit dem Text verbundenen Radierungen stammen von Arthur Paunzen, geboren 1890. Paunzen widmete Gustav Mahlers Das Lied von der Erde sechs Radierungen; Wien, Richard Lanyi, 1920. Quelle: Archiv der Sammlung für Kunst und Geschichte, Berlin.

Eda Zari Düsseldorf, 16.05.2020

© 2020 Eda Zari. Alle Rechte vorbehalten.

ÜBERSETZUNG

Albanische Übersetzung aus dem Deutschen von Eda Zari.

Eda Zari
EDA ZARI

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